Getriebemotoren: Gobao X1P vs DJI Avinox MG vs Pinion MGU

Getriebemotoren: Gobao X1P vs DJI Avinox MG vs Pinion MGU

DJI Avinox MG, Gobao X1P und Pinion MGU verfolgen dasselbe Ziel: Motor und Schaltung sollen als geschlossene Einheit am Tretlager sitzen Getriebemotoren. Dadurch entfallen ein außenliegendes Schaltwerk und eine Kassette am Hinterrad. Das reduziert die Zahl exponierter Bauteile und verlagert mehr Gewicht in die Mitte des E-MTBs.

Die Systeme unterscheiden sich jedoch deutlich. Die Pinion MGU kombiniert einen Elektromotor mit einem mechanischen Getriebe und festen Gangstufen. Der Gobao X1P nutzt eine elektronisch geregelte, stufenlose Übersetzung. Beim DJI Avinox MG handelt es sich Stand Juli 2026 um ein Konzeptsystem, das ebenfalls Motor und stufenlose Schaltung in einer Einheit verbinden soll. DJI Avinox stellte den MG Concept am 24. Juni 2026 auf der Eurobike in Frankfurt vor.

Für die Kaufentscheidung zählt deshalb nicht allein die höchste Drehmomentzahl. Wichtig sind auch das gewünschte Schaltgefühl, die Art der Touren, die Dosierbarkeit auf losem Untergrund und der Status des jeweiligen Systems. Die Pinion MGU ist bereits als Serienantrieb erhältlich. Gobao X1P und DJI Avinox MG stehen dagegen noch am Anfang ihrer Markteinführung beziehungsweise Entwicklung.

E-CVT gegen mechanische Gänge

Der zentrale Unterschied im Vergleich liegt in der Art, wie die Übersetzung entsteht. Die Pinion MGU arbeitet mit realen, mechanisch definierten Gängen über ein Stirnradgetriebe. Wer vom klassischen Fahrrad kommt, kennt dieses Prinzip: Ein Tastendruck löst einen Gangwechsel aus, anschließend fährt das Bike in einer klaren Übersetzungsstufe weiter.

Gobao X1P und DJI Avinox MG setzen dagegen auf E-CVT-Technologie, die auf einem Planetengetriebe basiert. E-CVT steht für elektronisch gesteuerte, stufenlos variable Übersetzung. Beim Gobao X1P steuern dabei zwei Motoren die Übersetzung: Das System passt das Verhältnis zwischen Kurbelbewegung und Hinterrad kontinuierlich an. Statt zwischen einzelnen Gängen zu wechseln, kann der Antrieb die Übersetzung auf eine gewählte Trittfrequenz, die Pedallast oder den Fahrmodus ausrichten.

Das bedeutet nicht, dass man bei Gobao oder DJI Avinox auf eine Schaltbedienung verzichten muß. Beide Konzepte sehen manuelle Einstellungen und virtuelle Gänge vor. Diese simulierten Gänge geben dem Fahrer feste Schaltpunkte, obwohl die Übersetzung technisch stufenlos arbeitet. Das kann für Mountainbiker interessant sein, die auf dem Trail bewusst vor einer Kurve oder Rampe schalten möchten.

System Technologie Übersetzung Schaltgefühl Praktischer Vorteil
Pinion MGU E1.9 und E1.12 Motor mit mechanischem Getriebe 9 oder 12 feste Gänge Deutlich definierte Gangstufen Bekanntes Schaltprinzip mit echter Gangabstufung
Gobao X1P Elektronisch geregeltes E-CVT Stufenlos, laut Hersteller mit 500 Prozent Bandbreite Automatisch oder mit virtuellen Gängen Keine Kassette und kein Schaltwerk am Hinterrad
DJI Avinox MG Concept Stufenlose Motor-Getriebe-Einheit DJI Avinox nennt 520 Prozent Übersetzungsbandbreite Manuell oder automatisch konfigurierbar Gangwechsel unter Last und im Stand vorgesehen

 

Die Pinion MGU E1.12 bietet zwölf Gänge mit 600 Prozent Übersetzungsbandbreite. Bei der E1.9 sind es neun Gänge und knapp 570 Prozent. Die Gangabstände sind bei der 12-Gang-Version kleiner, während die 9-Gang-Version gröbere Sprünge zwischen den Übersetzungen hat. Beide Versionen schalten elektronisch, die Übersetzungen selbst entstehen aber durch ein mechanisches Getriebe mit festen Stufen.

Im Gelände hat das mechanische Prinzip einen klaren Charakter. Ein Gangwechsel ist spürbar und gibt Rückmeldung. Das kann hilfreich sein, wenn du dich auf technische Anstiege vorbereitest und vor einer Stufe gezielt einen leichteren Gang anwählst. Unter hoher Pedallast können einzelne Schaltvorgänge hörbarer sein oder etwas mehr Zeit beanspruchen. Pinion weist bei bestimmten Doppelschaltvorgängen der E1.12 ausdrücklich auf einen möglichen Kurbel-Leerweg hin.

Ein E-CVT-System kann die Trittfrequenz deutlich gleichmäßiger halten. Auf langen Anstiegen mit wechselnder Steigung muss der Fahrer weniger aktiv schalten. Dafür verändert sich das gewohnte Gefühl zwischen Kurbel und Hinterrad. Wer jeden Gangwechsel bewusst wahrnehmen möchte, wird die Pinion MGU meist direkter finden. Wer eine gleichbleibende Kadenz bevorzugt und das Schalten teilweise automatisieren will, findet bei Gobao und DJI Avinox das passendere Konzept.

Die Technik von DJI Avinox MG und Gobao X1P sollte derzeit mit Vorsicht eingeordnet werden. DJI Avinox bezeichnet den MG ausdrücklich als Konzeptprodukt. Beim Gobao X1P handelt es sich ebenfalls um ein neues System, dessen Serieneinsatz in konkreten E-MTB-Modellen erst noch erfolgen muss. Angaben zur Haltbarkeit, Schaltqualität bei Nässe, Geräuschentwicklung und Werkstattpraxis lassen sich deshalb noch nicht so belastbar bewerten wie bei der bereits verfügbaren Pinion MGU.

Sind 150 Nm beim E-MTB sinnvoll?

Auf dem Datenblatt liegt der Gobao X1P mit 150 Nm Drehmoment an der Spitze. Auch das DJI Avinox MG Drehmoment wird mit den Leistungswerten der Avinox-M2S-Plattform in Verbindung gebracht, also bis zu 150 Nm und 1.500 Watt Spitzenleistung. Pinion gibt für die MGU unabhängig von der 9- oder 12-Gang-Ausführung 85 Nm an. Diese Zahlen lassen sich aber nicht ohne Kontext in eine Rangliste für die Fahrpraxis übertragen.

Drehmoment beschreibt vereinfacht die Drehkraft am Antrieb. Ein hoher Wert hilft vor allem dann, wenn das E-MTB bei niedriger Geschwindigkeit an steilen Rampen stark beschleunigen soll. Besonders auf schweren Enduro-Bikes, an kurzen Kletterpassagen oder bei hoher Gesamtmasse aus Fahrer, Ausrüstung und Bike kann ein kräftiger Motor Reserven schaffen.

150 Nm sind jedoch kein automatischer Vorteil. Auf Wurzeln, feuchtem Fels, lockerem Schotter oder nassem Laub kann zu viel Antriebskraft das Hinterrad durchdrehen lassen. Sobald der Reifen Grip verliert, bringt zusätzliche Motorleistung keinen Vortrieb mehr. Entscheidend ist dann, wie fein der Motor auf Pedaldruck und Kadenz reagiert und ob der gewählte Fahrmodus die Leistung kontrolliert abgibt.

  • Wenn du häufig steile, kurze Rampen mit wenig Anlauf fährst, bieten 150 Nm spürbare Reserven.
  • Wenn du technische Uphill-Trails auf losem Untergrund fährst, ist eine fein dosierbare Unterstützung wichtiger als die maximale Nm-Zahl.
  • Wenn du vor allem Touren, Forstwege und gemäßigte Trails fährst, reichen 85 Nm in vielen Situationen aus.
  • Wenn du einen Anhänger ziehst oder ein schweres SUV-E-Bike bewegst, kann das höhere Drehmoment von Gobao oder DJI Avinox sinnvoll sein.

Beim Gobao X1P ergänzt die stufenlose Übersetzung das hohe Drehmoment. Der Antrieb kann seine Übersetzung so anpassen, dass die Kurbel nicht plötzlich zu schwer wird, wenn die Steigung zunimmt. Das erleichtert gleichmäßiges Treten. Gleichzeitig muss die Regelung verhindern, dass die Unterstützung auf glattem Untergrund zu abrupt einsetzt.

Der DJI Avinox MG soll ebenfalls ohne Unterbrechung der Leistungsabgabe schalten und Gangwechsel in weniger als 0,1 Sekunden ermöglichen. DJI Avinox nennt außerdem manuelle und automatische Schaltmodi. Ob sich das System auf verwinkelten Trails bei häufigem Wechsel zwischen Bremsen, Beschleunigen und kurzen Anstiegen tatsächlich besser dosieren lässt als andere E-MTB-Antriebe, zeigen erst unabhängige Dauertests mit Serienbikes.

Die Pinion MGU fährt sich anders. Mit 85 Nm liegt sie leistungsmäßig unter den neuen 150-Nm-Konzepten, bietet aber eine klar abgestufte Übersetzung und ein planbares Ansprechverhalten. Wer seine Kraft und die Motorunterstützung bewusst über echte Gänge steuern möchte, erhält damit ein nachvollziehbares Setup. Für lange Alpenanstiege oder technisch anspruchsvolle Touren ist das nicht automatisch zu wenig Leistung. Entscheidend bleibt, wie schwer das E-MTB ist, welche Reifen montiert sind und wie steil der Untergrund wirklich wird.

Warum die Pinion MGU schwerer ist

Das Gewicht der Motoreinheit beeinflusst das Gesamtgewicht eines E-MTBs, sagt aber noch nicht alles über das fertige Bike aus. Bei integrierten Antrieben entfallen am Hinterrad mehrere Teile: Schaltwerk, Kassette, Schalthebel, Zug oder Leitung sowie bei manchen Konzepten auch die Kette zugunsten eines Riemens. Deshalb ist nicht nur das Gewicht des Motors relevant, sondern das gesamte Antriebssystem.

  • Die Pinion MGU E1.9 wiegt rund 4,0 Kilogramm.
  • Die Pinion MGU E1.12 wiegt rund 4,1 Kilogramm.
  • Der Gobao X1P wird mit rund 3,85 Kilogramm angegeben.
  • Für den DJI Avinox MG Concept liegt derzeit kein endgültiges Seriengewicht vor.

Die Pinion MGU bringt mehr Masse mit, weil sie ein vollwertiges mechanisches Getriebe mit neun oder zwölf festen Übersetzungen im Gehäuse trägt. Die Zahnräder, Schaltelemente und die für hohe Belastungen ausgelegte Konstruktion benötigen Platz und Material. Dafür sitzt die Masse tief und zentral im Rahmen. Das Hinterrad bleibt frei von Kassette und Schaltwerk, was die ungefederte Masse eines vollgefederten E-MTBs reduzieren kann.

Der Gobao X1P soll trotz integrierter E-CVT-Einheit leichter als die Pinion E1.12 sein. Seine angegebene Masse von 3,85 Kilogramm ist jedoch nur ein Teil der Rechnung. Für die Reichweite und das Gesamtgewicht spielen Akku, Rahmen und Laufräder eine größere Rolle. Gobao bietet für das X1P-System drei Akkuvarianten an: Neben den 500-Wh- und 750-Wh-Akkus gibt es auch einen großen 900-Wh-Akku. Hierbei ist die Batteriedichte entscheidend: Ein schwererer Motor kann durch leichtere Batterien mit hoher Energiedichte kompensiert werden, wodurch sich das Gesamtsystemgewicht ausgleicht. Ob ein komplettes Gobao-E-MTB leichter ausfällt als ein vergleichbares Pinion- oder DJI Avinox-Bike, hängt deshalb von der Umsetzung des jeweiligen Herstellers ab.

Beim DJI Avinox MG ist ein direkter Gewichtsvergleich noch nicht möglich. DJI Avinox hat zum Eurobike-Debüt keine finale Masse für die Motor-Getriebe-Einheit veröffentlicht. Das ist wichtig, denn ein Konzeptantrieb kann bis zum Serienstart noch verändert werden. Wer heute ein E-MTB kaufen möchte, sollte den DJI Avinox MG deshalb nicht wie ein regulär verfügbares Produkt behandeln, sondern als Ausblick auf kommende Modellgenerationen.

Ein leichterer Motor ist außerdem nicht immer die bessere Wahl. Ein schwereres System kann sinnvoll sein, wenn es eine größere Übersetzungsbandbreite, ein besonders belastbares Getriebe oder einen Akku mit mehr Kapazität mitbringt. Für das Handling ist die Position des Gewichts oft wichtiger als ein Unterschied von wenigen hundert Gramm am Antrieb. Ein zentral eingebauter Getriebemotor unterstützt ein neutrales Fahrverhalten, weil das Heck des Bikes weniger belastet wird.

Welcher Getriebemotor ist der richtige?

Die Pinion MGU passt zu dir, wenn du feste Gänge und ein klar definiertes Schaltgefühl bevorzugst. Sie ist die richtige Wahl für Tourenfahrer und Trail-Fahrer, die eine etablierte Motor-Getriebe-Einheit suchen und den Wegfall von Schaltwerk und Kassette schätzen. Die E1.12 eignet sich besonders, wenn dir feine Gangabstufungen wichtig sind. Die E1.9 ist eine Alternative, wenn größere Gangsprünge für deinen Einsatz kein Nachteil sind.

Der Gobao X1P richtet sich an Fahrer, die maximale Leistungswerte und eine stufenlose Übersetzung suchen. Seine 150 Nm und 1.500 Watt Spitzenleistung sind vor allem für steile Anstiege, schwere E-MTBs und leistungsorientierte Nutzung interessant. Das System ist jedoch neu. Vor einem Kauf solltest du prüfen, welche Fahrradmarken den Antrieb tatsächlich verbauen, wie die Ersatzteilversorgung aussieht und ob die Software zu deinem Fahrstil passt.

Der DJI Avinox MG ist für dich interessant, wenn du die Kombination aus automatischer oder manueller E-CVT-Schaltung, hoher Motorleistung und Systemintegration suchst. Im Juli 2026 bleibt der MG aber ein Konzept. DJI Avinox entwickelte ihn mit mehreren Fahrradmarken, doch endgültige Serienmodelle, Preise und vollständige technische Daten stehen noch aus.

Für ein E-MTB, das du zeitnah kaufen und auf langen Touren einsetzen möchtest, ist die Pinion MGU die verlässlichste Vergleichsgröße. Für künftige High-End-Enduros könnten Gobao X1P und DJI Avinox MG den Aufbau des Antriebs verändern. Ob die stufenlosen Systeme die mechanischen Gänge dauerhaft verdrängen, entscheidet sich nicht an der Drehmomentzahl, sondern an Zuverlässigkeit, Wartung, Software und dem Fahrgefühl auf dem Trail.

Häufige Fragen zu Getriebemotoren

Hat die Pinion MGU mechanische Gänge oder arbeitet sie stufenlos?

Die Pinion MGU arbeitet mit mechanischen, festen Gängen. Die E1.9 hat neun Gänge mit rund 568 Prozent Übersetzungsbandbreite, die E1.12 bietet zwölf Gänge mit 600 Prozent. Der Schaltvorgang erfolgt elektronisch, die Übersetzung selbst bleibt aber mechanisch abgestuft. Eine stufenlose E-CVT-Funktion gibt es bei der Pinion MGU nicht.

Welches System bietet das höchste Drehmoment?

Nach den aktuell genannten Daten liegen Gobao X1P und DJI Avinox MG beziehungsweise die zugrunde liegende Avinox-M2S-Leistungsplattform bei bis zu 150 Nm. Die Pinion MGU liefert 85 Nm. Beim DJI Avinox MG handelt es sich noch um ein Konzept, daher können sich endgültige Serienangaben ändern.

Warum ist die Pinion MGU schwerer als der Gobao X1P?

Die Pinion MGU enthält ein mechanisches Getriebe mit neun oder zwölf realen Übersetzungsstufen. Diese Konstruktion benötigt Zahnräder und Schaltbauteile im Motorgehäuse. Der Gobao X1P nutzt eine elektronisch geregelte stufenlose Übersetzung und wird mit etwa 3,85 Kilogramm angegeben, während die Pinion E1.12 rund 4,1 Kilogramm wiegt. Ein vollständiger Systemvergleich muss zusätzlich Akku, Riemen oder Kette sowie die Rahmenkonstruktion berücksichtigen.

Ist ein Drehmoment von 150 Nm beim E-MTB sinnvoll?

150 Nm können bei sehr steilen Auffahrten, hohem Bikegewicht oder schweren Fahrern hilfreich sein. Auf losem und rutschigem Untergrund kann zu viel Leistung jedoch Traktion kosten. Für viele Touren und normale Trail-Anstiege reichen 85 Nm aus, wenn die Übersetzung breit genug ist und die Unterstützung sauber anspricht. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Spitzenleistung, sondern auch die Regelung des Motors und der Grip des Hinterreifens.

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